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Katar
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Katar (arabisch Ůءع Qatar, DMG Qaášar [ËqÉtˤÉr], im lokalen Dialekt (Golf-Arabisch) Qiášar [ËÉĄÉŞtˤÉr], im Arabischen auf der ersten Silbe betont, amtlich Staat Katar) ist ein Emirat in Vorderasien und liegt an der OstkĂźste der Arabischen Halbinsel am Persischen Golf.
Das Land besteht zum GroĂteil aus einer Halbinsel, die im SĂźden an Saudi-Arabien grenzt. Vor der KĂźste im Nordwesten liegt das KĂśnigreich Bahrain. Das Staatsgebiet schlieĂt einige Inseln ein. Von SĂźden nach Norden dehnt sich das Land rund 180 Kilometer, von Westen nach Osten 80 Kilometer aus. Das gesamte Staatsgebiet ist eine WĂźste ohne ganzjährige Gewässer und fast ohne Vegetation. Rund 80 % der BevĂślkerung Katars leben in der Hauptstadt Doha und deren Vororten.cite-ref-5[5]
Katar hat den zweithĂśchsten Anteil von Einwanderern weltweit. Von den rund dreieinhalb Millionen Einwohnerncite-ref-3-6-0[6] sind nur rund zehn Prozent StaatsangehĂśrige Katars. Die groĂe Mehrheit der BevĂślkerung sind Arbeitsmigranten ohne permanente Aufenthaltserlaubnis. Katar hat die weltweit hĂśchste Quote an Arbeitsmigranten. Aufgrund der mehrheitlich sĂźd- und sĂźdostasiatischen Herkunft dieser Arbeiter machen allein SĂźdasiaten Ăźber die Hälfte aller Einwohner Katars aus. Da die Arbeiter grĂśĂtenteils männlich sind, besitzt Katar zudem den weltweit hĂśchsten Anteil von Männern an der LandesbevĂślkerung.
Katar erlangte im Jahre 1971 seine vollständige Unabhängigkeit vom Vereinigten KÜnigreich. Seitdem ist die Staatsform die absolute Monarchie, die Staatsreligion ist der Islam und die Scharia gilt als eine Hauptquelle der Gesetzgebung.cite-ref-7[7] Die Menschenrechtslage im Land gilt als kritisch, besonders die Niedriglohnmigranten werden häufig menschenunwßrdig behandelt und befinden sich teilweise in moderner Sklaverei.
Die katarische Regierung wird in den letzten Jahrzehnten auĂerdem wegen ihrer UnterstĂźtzung der MuslimbrĂźder und anderer radikalislamischer Gruppen sowie Terrororganisationen wie der Hamas kritisiert. Dies fĂźhrte zur Katar-Krise 2017 bis 2021, während der Katar von einigen Ländern der arabischen Welt boykottiert wurde.cite-ref-8[8]
Contents
⢠Geographie
⢠Klima
⢠Flora und Fauna
⢠Städte
⢠BevÜlkerung
⢠Demografie
⢠Sprachen
⢠Religion
⢠Sozialfßrsorge
⢠Bildung
⢠Gesundheit
⢠Geschichte
⢠Politik
⢠AuĂenpolitik
⢠Menschenrechte
⢠Umweltschutz
⢠Militär
⢠Wirtschaft
⢠Landwirtschaft
⢠Perlen
⢠Finanzmarkt
⢠Bodenschätze
⢠Industrie
⢠AuĂenhandel
⢠Staatshaushalt
⢠Infrastruktur
⢠Verkehr
⢠Vision 2030
⢠Kultur
⢠Medien
⢠Sport
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geographie
â
Hauptartikel
:
Geographie Katars
Topographie/Oberfläche
SalzsĂźmpfe und WĂźstenstreifen trennen Katar vom Rest der arabischen Halbinsel. Die Salzpfannen â Sabcha â auf Meeresniveau sind Relikte aus der Zeit, als Katar noch eine Insel war. Erst durch eine leichte Hebung des Landes entstand die Verbindung zum arabischen Festland. Aus diesen SĂźmpfen steigt nach Norden das sanft gewellte HĂźgelland empor, das fĂźr ganz Katar prägend ist. Mit 103 Metern ist der Berg Qurain Abu l-Baul in Katars SĂźden der hĂśchste Punkt Katars.cite-ref-0-9-0[9] Nach Osten fällt das Land sanft zum Meer ab. Das Ăźberwiegend flache Land ist von GerĂśll- und KieswĂźste geprägt. SanddĂźnen kommen nur vereinzelt vor, meist an der KĂźste im äuĂersten SĂźdosten. Die KĂźste wird von mehreren langgestreckten Buchten gegliedert. Besonders an der Ostseite sind zahlreiche Korallenriffe vorgelagert.
Das Grundwasser hat einen hohen Salzgehalt; Trinkwasser wird in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen. Im SĂźdosten befindet sich die Meereslagune Chaur al-Udaid.
Klima
Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehĂśrt Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Aufgrund der Nähe zum Persischen Golf ist das Klima ganzjährig schwĂźl, subtropisch und heiĂ. Die Luftfeuchtigkeit liegt je nach Monat zwischen 40 und 70 %.cite-ref-10[10] Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C. Allerdings sind gerade in den letzten Wintern auch Temperaturen unter 10 °C häufiger vorgekommen. Oft weht der trocken-staubige Nordwestwind Schamal.
Mit Blick auf Naturkatastrophen wie Vulkanausbrßche, Wirbelstßrme, Erdbeben, Dßrren und den Anstieg des Meeresspiegels gilt Katar als eines der sichersten Länder der Welt. Im Weltrisikobericht 2024 wies es unter 193 untersuchten Ländern ein sehr geringes Katastrophenrisiko auf; es lag auf dem neunten Platz.cite-ref-11[11]
Flora und Fauna
Katar ist vielerorts unfruchtbarer als die anderen arabischen WĂźstenstaaten. Nur im Norden, wo die Niederschläge etwas häufiger sind, wachsen WĂźstenhyazinthen, Palmen und DornbĂźsche. Nach dem seltenen Regen sprieĂen Gräser und Kräuter, treiben in sehr kurzer Zeit BlĂźten und FrĂźchte und verdorren wieder. In den Salzpfannen wachsen spärliche salzliebende Gräser und Sträucher (Halophyten).
Nur wenige Tierarten â WĂźstenspringmäuse, Igel, Geckos und Warane â kĂśnnen unter den extremen Lebensbedingungen der WĂźste existieren. ZugvĂśgel rasten im Winter an der nĂśrdlichen KĂźste. In Katar sind etwa 30 Vogelarten heimisch. FĂźr die gefährdeten Oryxantilopen wurde sĂźdlich von Doha ein Wildpark errichtet. Die Gewässer des Persischen Golfes sind sehr fischreich. Gelegentlich sind Pottwale, Delfine und die vergleichsweise seltenen SeekĂźhe zu finden. An der NordkĂźste befinden sich westlich von Ras Laffan Eiablagestrände von MeeresschildkrĂśten.
Im Wildpark al-Wabra leben 50 der 80 in menschlicher Obhut lebenden Spixaras.
Städte
⢠Doha (Ad-Dawhah) mit 872.048 Einwohnern
⢠ar-Rayyan mit 799.933 Einwohnern
⢠ad-Dawhah al-Mintaqat as-Siny'yah mit 313.754 Einwohnern
⢠Umm Salal Muhammad mit 149.701 Einwohnern
⢠al-Wukair mit 134.481 Einwohnern
⢠al-Wakra mit 94.272 Einwohnern
⢠al-Khawr mit 91.585 Einwohnern
⢠ad-D'ayan/Al-Khisah mit 91.247 Einwohnern
⢠Rawdat Rashid mit 74.576 Einwohnern
Siehe auch
:
Liste der Städte in Katar
BevĂślkerung
Demografie
Die BevÜlkerung Katars wuchs in den letzten Jahrzehnten weltweit als eine der schnellsten. Aufgrund einer relativ hohen Geburtenrate und starker Einwanderung ist die Einwohnerzahl Katars von ca. 50.000 im Jahr 1950 auf 3,6 Millionen Einwohner im Jahr 2025 gewachsen.cite-ref-3-6-1[6] Das durchschnittliche jährliche BevÜlkerungswachstum betrug + 0,8 %. Zum BevÜlkerungswachstum trug ein Geburtenßberschuss (Geburtenziffer: 9,1 pro 1000 Einwohnercite-ref-14[14] vs. Sterbeziffer: 1,1 pro 1000 Einwohnercite-ref-15[15]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,8, die der Region Naher Osten und Nordafrika betrug 2,6.cite-ref-gebrat-16-0[16] Die Lebenserwartung der Einwohner Katars ab der Geburt lag 2022 bei 81,6 Jahrencite-ref-leberw-17-0[17]. Der Median des Alters der BevÜlkerung lag im Jahr 2021 bei 33 Jahren.cite-ref-18[18] Im Jahr 2023 waren 15,7 Prozent der BevÜlkerung unter 15 Jahre,cite-ref-19[19] während der Anteil der ßber 64-Jährigen 1,6 Prozent der BevÜlkerung betrug.cite-ref-20[20]
| Jahr | Einwohner | Anteil Katarer [ 21 ] | Jahr | Einwohner | Anteil Katarer |
|---|---|---|---|---|---|
| 1950 | 47.000 | | 1997 | | 28 % |
| 1960 | 59.000 | | 2004 | 744.000 | 24 % |
| 1970 | 111.000 | 40 % | 2005 | 863.051 | |
| 1978 | 201.000 | | 2008 | 928.635 | |
| 1986 | 369.000 | | 2010 | 1.699.435 | |
| 1996 | 658.000 | | 2020 [ 22 ] | 2.760.000 | |
| | | | 2024 [ 6 ] | 3.593.649 | |
BevĂślkerungsstruktur und Migration
Die BevĂślkerungszusammensetzung ist aufgrund der vielen Ausländer ethnisch äuĂerst vielfältig. Im Jahr 2019 waren nur etwa 10,5 % der BevĂślkerung katarische StaatsangehĂśrige. 56 % der BevĂślkerung stammte aus SĂźdasien (Indien, Bangladesch, Nepal, Pakistan oder Sri Lanka). Nichtkatarische Araber machten ebenfalls einen bedeutenden Teil der BevĂślkerung aus, darunter 300.000 (9,35 %) Ăgypter, 60.000 (1,9 %) Sudanesen sowie die syrische, jordanische und libanesische Diaspora mit jeweils etwa 40.000 bis 55.000 Migranten, also zusammen rund 5 % der BevĂślkerung. Es gab auch zahlreiche Einwanderer aus anderen arabischen Staaten in Katar. Expats aus westlichen Ländern bildeten ebenfalls eine bedeutende Minderheit, darunter 40.000 (1,25 %) US-Amerikaner, 22.000 (0,7 %) Briten, 9.200 (0,3 %) Kanadier und Zehntausende Australier und EU-BĂźrger, darunter auch 1.800 Deutsche. Die groĂe Gemeinschaft der Filipinos umfasste 236.000 Menschen, also 7,35 % der BevĂślkerung, und es gab auch zahlreiche BĂźrger anderer sĂźdostasiatischer Länder im Land. Es wohnten auch etwa 30.000 (1 %) Iraner und 10.000 (0,3 %) TĂźrken in Katar. Rund 30.000 Kenianer (1 %) und andere Subsahara-Afrikaner bildeten ebenfalls eine erkennbare Minderheit. In der ostasiatischen Gemeinschaft gab es unter anderem bis zu 10.000 (0,3 %) Chinesen und 2.000 SĂźdkoreaner in Katar. Der Rest der BevĂślkerung stammte aus der ganzen Welt.cite-ref-23[23]
Weil die meisten Ausländer männlich sind, hat Katar das unausgeglichenste Geschlechterverhältnis weltweit. Im Jahr 2016 kamen auf jede Frau in Katar 3,4 Männer.cite-ref-0-9-1[9]
Die VermĂśgensverteilung ist nicht gleichmäĂig. Ausländer haben weniger Rechte als katarische StaatsbĂźrger (Tribalismus).cite-ref-24[24] Diese arbeiten Ăźberwiegend beim katarischen Staat, von dem sie hohe Einkommen beziehen, oder als Unternehmer und stehen an der Spitze der sozialen Hierarchie. Sie erhalten hohe staatliche Leistungen, auf die Ausländer meistens keinen Anspruch haben. Viele Ausländer in Katar, zum Beispiel aus dem Westen, den arabischen Ländern, der TĂźrkei, dem Iran und Ostasien arbeiten in Berufen mit mittlerem bis hohem Einkommen.cite-ref-25[25]cite-ref-2-26-0[26] Ihre Hauptmotivation, in Katar zu arbeiten, sind die hohen Gehälter und die Nichterhebung von Einkommensteuern.
Auswanderer aus dem Westen wohnen oft im relativ liberalen nĂśrdlichen Teil des GroĂraums Doha, einschlieĂlich West Bay, West Bay Lagoon, The Pearl oder Lusail, aber auch oft in sogenannten âVilla compoundsâ, die in der Hauptstadt Doha oft zu finden sind.cite-ref-27[27] Viele Angestellte ausländischer Herkunft leben mit ihren Ehepartnern und Kindern in Katar, und viele dieser Kinder besuchen Privatschulen mit dem Lehrplan ihres Heimatlandes, darunter die Deutsche Internationale Schule Doha. Auf Privatschulen, die hauptsächlich von Migrantenkindern besucht werden, gehen laut amtlicher Statistik 196.000 SchĂźler, während 122.000 Kinder im staatlichen Schulsektor unterrichtet werden.cite-ref-28[28]
SĂźdostasiaten, vor allem Filipinos, arbeiten meist im Dienstleistungssektor, etwa in Hotels und Restaurants. Viele SĂźdostasiatinnen arbeiten als Hausangestellte. Die oft schlechte Behandlung dieser Hausangestellten sowie auch anderer Niedriglohnmigranten hat fĂźr internationale Kritik gesorgt. Die Niedriglohnmigranten, die meistens aus SĂźd- und SĂźdostasien und Afrika kommen, arbeiten unter anderem als Bauarbeiter, Hausangestellte, Sicherheitspersonal oder Reinigungskräfte.cite-ref-2-26-1[26] Sie sind auch diejenigen, die die Infrastruktur fĂźr die FuĂball-Weltmeisterschaft 2022 aufgebaut haben. Ein groĂer Teil von ihnen lebt in SammelunterkĂźnften auĂerhalb der Hauptstadt Doha.cite-ref-29[29] Arbeitsmigranten aus SĂźd- und SĂźdostasien und Afrika arbeiten zwar oft im Niedriglohn- und Dienstleistungssektor. Dies ist jedoch nicht immer der Fall und Arbeitsmigranten aus diesen Ländern sind in allen Sektoren in Katar zu finden, auch in Jobs mit mittlerem bis hohem Einkommen. Manchmal leben sie auch mit ihren Familien in Katar.cite-ref-30[30]
Ausländer in Katar, deren Arbeitsvertrag gekßndigt wird oder ohne Verlängerung ausläuft, mßssen das Land verlassen, wenn sie keinen andere Anstellung finden, und es gibt keinerlei Arbeitslosengeld fßr Ausländer. Daher ist die Arbeitslosenquote fßr Ausländer in Katar gering.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]
Siehe auch
:
Arbeitsmigranten in Katar
Sprachen
Die Amtssprache ist Arabisch. Englisch spielt eine wichtige Rolle, insbesondere in der Kommunikation zwischen den Ethnien und im Umgang mit dem Ausland (Handel, Medien). Aufgrund der hohen Zahl von Migranten in Katar sind Malaiisch, Belutschi, Indonesisch, Hindi, Persisch, Malayalam, Singhalesisch, Tagalog, Urdu und Nepali ebenfalls verbreitet.cite-ref-33[33]
Religion
Der Islam ist Staatsreligion und die meisten BĂźrger sind sunnitische Wahhabiten, während der Rest Schiiten sind. Unter Ausländern ist der sunnitische Islam die wichtigste Religion. Zusammen mit den katarischen BĂźrgern machen Muslime etwa 65,2 % der katarischen BevĂślkerung aus. Der Anteil der Hindus liegt bei etwa 15,9 %, der Christen bei 13,7 % und der Buddhisten bei etwa 3,8 %. Die restlichen 1,4 % der BevĂślkerung glauben an andere Religionen, einschlieĂlich Volksreligionen, oder sind areligiĂśs.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35] Es gibt auch eine kleine Anzahl ausländischer Juden, die in Katar leben.cite-ref-36[36] Die einheimische Gesellschaft Katars ist streng islamisch geprägt. Die Mehrheit der Einheimischen hängt dem orthodoxen sunnitisch-wahhabitischen Islam an. Die Regeln des Landes wurzeln hauptsächlich in einem konservativen Islam. So ist homosexueller Geschlechtsverkehr verboten.
In Katar stehen Alkoholkonsum und Trunkenheit in der Ăffentlichkeit unter Strafe bzw. sind verboten.cite-ref-37[37] Alkoholische Getränke werden nur an Nicht-Muslime Ăźber 21 Jahren in lizenzierten Restaurants, Bars und in ausgewählten, hochpreisigen Hotels ausgeschenkt. Es gibt einen Spirituosenladen in Katar, der nur fĂźr nicht-muslimische Einwohner zugänglich ist.cite-ref-42-38-0[38]cite-ref-39[39]
Laut einer Studie aus dem Jahr 2010 sind 67,7 % der BevÜlkerung des Landes Muslime; Christen und Hindus machen jeweils 13,8 % der BevÜlkerung aus, 3,1 % waren Buddhisten, 0,9 % gehÜrten keiner Religionsgemeinschaft an und 0,7 % waren AngehÜrige einer anderen Religion. Nahezu alle Nichtmuslime in Katar sind Ausländer.cite-ref-40[40]
Der Staat erlaubt die GrĂźndung von Kirchen. Seit 2019 gibt es in Katar acht Kirchen. Alle wurden auf Wunsch der groĂen christlichen Expat-Gemeinschaft erĂśffnet.cite-ref-41[41] FĂźr die anderen groĂen migrantischen Religionsgemeinschaften in Katar, wie fĂźr Hindus oder Buddhisten, sind keine offiziellen Gotteshäuser bekannt. In Katar gibt es einen hinduistischen Tempel. Er wird jedoch nicht staatlich anerkannt. Nur der Islam und das Christentum sind staatlich anerkannt und andere Religionen haben Schwierigkeiten, Gotteshäuser zu bauen.cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]
SozialfĂźrsorge
Als Staat mit einem der hĂśchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt besitzt Katar ein sehr gutes soziales FĂźrsorgesystem. HilfsbedĂźrftige erhalten feste monatliche BezĂźge. Die gesundheitliche und medizinische Versorgung ist gut und steht kostenlos zur VerfĂźgung. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht, der Schulunterricht ist auf allen Ausbildungsstufen in den katarischen Regelschulen kostenlos, in den zahlreichen Privatschulen jedoch kostenpflichtig. BĂźrger genieĂen steuerfreie Einkommen (wie alle Einwohner), garantierte hochbezahlte Regierungsjobs, kostenlose Hochschulbildung, gĂźnstige Kredite, finanzielle UnterstĂźtzung fĂźr Jungvermählte, Wohngeld, Mutterschaftsgeld, Arbeitslosengeld, kostenloses Wasser und Strom, Ăźppige Altersvorsorge und vieles mehr.cite-ref-44[44]cite-ref-4-45-0[45]cite-ref-46[46] Der Staat gibt die Ăźberwiegende Zahl der staatlichen Leistungen nur an katarische BĂźrger. Auf diese Weise genieĂt die herrschende Elite groĂe Loyalität und UnterstĂźtzung. FĂźr Ausländer ist es so gut wie unmĂśglich, Katarer zu werden.cite-ref-4-45-1[45]cite-ref-47[47] Ausländer haben Anspruch auf eine Ăśffentliche Krankenversicherung, wenn sie jährlich 100 Riyal fĂźr eine Gesundheitskarte bezahlen. Ausländerkinder kĂśnnen Ăśffentliche Schulen kostenlos besuchen, wenn die Eltern im Ăśffentlichen Dienst arbeiten, ansonsten fallen geringe SchulgebĂźhren an.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49]
Bildung
Die 1973 gegrĂźndete Qatar University in Doha folgt angelsächsischen Mustern: In sechs Colleges kĂśnnen Bachelor- und Mastergrade erworben werden. Eine Besonderheit im Vergleich zu Hochschulen in westlichen Ländern ist, dass nebeneinander sowohl das westliche Rechtswesen als auch das islamische Recht (wie unter anderem die Scharia) sowie die historischen islamischen Studien betrieben werden kĂśnnen. Im Studienjahr 2013/2014 hatte die Universität ca. 15.000 Studenten. In Education City wurden in Katar sechs âAblegerâ namhafter amerikanischer Universitäten gegrĂźndet und seit dem Jahr 2002 betrieben. In Katar besuchen mehr Frauen als Männer die Universität. So hatte Qatar University unter den 7660 Studenten im Wintersemester 2005/2006 mit ca. 70 % einen vergleichsweise hohen Frauenanteil. Dies liegt mĂśglicherweise daran, dass Männer es im Vergleich zu Frauen leichter haben, Armee- oder Geschäftspositionen (die keinen Hochschulabschluss benĂśtigen) zu bekommen. Auch studieren viele junge Männer im Ausland; jungen Frauen wird dies von ihren Familien aus kulturellen GrĂźnden seltener erlaubt.cite-ref-50[50]
Im Jahr 2015 betrug die Alphabetisierungsrate 97,8 %.cite-ref-51[51]
Gesundheit
Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 2,9 % des Bruttoinlandsprodukts.cite-ref-52[52] Im Jahr 2018 praktizierten in Katar 25 Ărzte je 10.000 Einwohner.cite-ref-53[53] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 5,2 pro 1000 Lebendgeburten.cite-ref-54[54] Die Lebenserwartung der Einwohner Katars ab der Geburt lag 2022 bei 81,6 Jahrencite-ref-leberw-17-1[17] (Frauen: 83,1cite-ref-55[55], Männer: 80,6cite-ref-56[56]). Die Lebenserwartung stieg von 74,8 Jahren im Jahr 2000 bis 2022 um 9 %.cite-ref-leberw-17-2[17]
Geschichte
â
Hauptartikel
:
Geschichte Katars
Das Gebiet des heutigen Emirats Katar wies in frßheren Jahrtausenden eine reichhaltigere Vegetation auf und war seit der Steinzeit besiedelt. Im 5. Jahrtausend v. Chr. erlebte es eine Blßtezeit. Klimaveränderungen fßhrten zum Entstehen der heutigen Wßstenlandschaft und der Abwanderung der BevÜlkerung. In den folgenden Jahrtausenden war die Region nur sporadisch besiedelt.
Auch in der Folgezeit hatte das Land wegen Wassermangels kaum Bedeutung. Von sporadischen Handelssiedlungen an der KĂźste abgesehen war das Land nur von Beduinen bewohnt. Um 1760 zogen nomadisierende Beduinenstämme von ihren angestammten Weidegebieten im Inneren der arabischen Halbinsel in das Gebiet Katars. Zu diesen Beduinen gehĂśrte auch die Sippe Al Thani, die das Dorf al-Bid grĂźndete, das heutige Doha. Scheich Muhammad Al Thani gewann allmählich die Macht Ăźber die WĂźstenhalbinsel und wurde zum BegrĂźnder der heutigen Dynastie. Die folgenden 100 Jahre waren durch Machtkämpfe mit der Sippe der Al Chalifa gekennzeichnet, die aus dem heutigen Kuwait auf die Halbinsel eindrang und die Siedlung az-Zubara grĂźndete. 1783 gelang den Al Chalifa die Eroberung von Bahrain, woraufhin sich ein GroĂteil des Stammes auf dieser Insel niederlieĂ.
Ende des 18. Jahrhunderts fielen saudische Wahhabiten, Anhänger einer streng orthodoxen islamischen Sekte, auf der Halbinsel ein und eroberten zeitweilig al-Bid. Seit dieser Zeit bestehen enge Bindungen zu Saudi-Arabien.
Bis weit in die 1850er Jahre war die KĂźste von Katar wie die der heutigen Vereinigten Arabischen Emirate als âPiratenkĂźsteâ bekannt. Das Eingreifen der britischen Ostindien-Kompanie, die ihre Handelswege nach Indien bedroht sah, bereitete der Seeräuberei ein Ende. 1867 kam es zwischen den Al Thani und den Al Chalifa von Bahrain erneut zu einem heftigen Kampf um die Herrschaft in Katar. Das Vereinigte KĂśnigreich intervenierte und erzwang einen Frieden. Mit Vertrag vom 18. Dezember 1878 geriet das Land unter britischen Einfluss. Die Al Thani erklärten sich bereit, die Interessen der Briten zu bewahren und als deren Partner zu fungieren, während GroĂbritannien im Gegenzug als Schutzmacht der Al Thani auftrat und die Unabhängigkeit Katars von Bahrain bestätigte.cite-ref-58[58] Zugleich wurden die neun Beduinen-Stämme Katars, symbolisiert durch neun Speerspitzen in der katarischen Flagge, unter Vorherrschaft der Al Thani als stärkste Kraft vereinigt. Der 18. Dezember wurde am 21. Juni 2007 per Dekret des damaligen Kronprinzen und Thronfolgers Scheich Tamim bin Hamad Al Thani zum gesetzlichen Feiertag (Nationalfeiertag) erklärt.cite-ref-59[59]
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhoben die Osmanen Anspruch auf Katar und besetzten Teile des Landes. Daraufhin wandte sich Qasim Al Thani mit einem Hilfsersuchen an die Wahhabiten. Im Jahr 1913 schritt das Vereinigte KĂśnigreich erneut ein, um den osmanischen Einfluss und den der Wahhabiten zu unterdrĂźcken. 1915 mussten die letzten osmanischen Truppen das Land verlassen. In der Folgezeit setzte GroĂbritannien seine politischen und wirtschaftlichen Interessen durch.cite-ref-60[60]
Die ersten ErdĂślvorkommen wurden 1939 entdeckt, wodurch die ĂlfĂśrderung bald das neue wirtschaftliche Standbein Katars wurde. In der Folgezeit ging mit dem wachsenden Reichtum eine tiefgreifende Modernisierung im Staat und in der Wirtschaft vor sich. Als Ende der 1960er Jahre die Briten den Abzug der Truppen âĂśstlich von Suesâ fĂźr 1971 ankĂźndigten, proklamierte Katar am 3. September 1971 seine Unabhängigkeit und lehnte damit, wie Bahrain, einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate ab; ein Freundschaftsvertrag wurde mit dem Vereinigten KĂśnigreich geschlossen. Auch nahmen die Scheichs von Katar nun den Titel eines Emirs an. Im selben Jahr wurde mit dem Nord-Feld das grĂśĂte Erdgasfeld der Welt entdeckt.
Im Jahre 1972 wurde Emir Ahmad ibn Ali von Chalifa ibn Hamad (1972â1995) gestĂźrzt; dieser bemĂźhte sich in der Folgezeit verstärkt um die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Ansiedlung von Industrie. Die absolute Herrschaft der Dynastie blieb bestehen. Im Jahre 1974 wurden alle ErdĂśl- und Erdgasgesellschaften verstaatlicht. 1981 wurde mit Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait der Golf-Kooperationsrat gegrĂźndet.
Im Jahre 1995 wurde Chalifa ibn Hamad von seinem Sohn Hamad ibn Chalifa gestßrzt, der mit der Einleitung von Reformen begann. Seit 1998 ist Katar der Sitz des Hauptquartiers der US-Truppen im Nahen Osten und war auch die Kommandozentrale im Irakkrieg im März 2003. Seit dem 25. Juni 2013 ist Tamim bin Hamad Al Thani, der zweite Sohn des ehemaligen Emirs Hamad ibn Chalifa, Emir von Katar.cite-ref-61[61]
Siehe auch
:
Katar-Krise 2017 bis 2021
Anfang Juni 2017 brachen Ăgypten, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die diplomatischen Beziehungen zu Katar ab und erklärten alle Landes-, Luft- und Seegrenzen fĂźr geschlossen. Als Grund nannten sie, Katar habe Terrorismus unterstĂźtzt.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63] Auch die Regierungen Jemens, Libyens, der Malediven und von Mauritius erklärten, dass sie ihre Beziehungen zu Katar aufgeben.cite-ref-64[64]cite-ref-lybmal-65-0[65]cite-ref-lybmal-65-1[65] Die TĂźrkei stellte sich auf die Seite Katars und schickte ein kleines Kontingent von Soldaten und gepanzerten Fahrzeugen ins Land.cite-ref-66[66]cite-ref-67[67] Im Juni 2017 warf US-Präsident Donald Trump Katar vor, es sei seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus.cite-ref-68[68] Wenige Tage später unterzeichneten US-Verteidigungsminister James N. Mattis und der katarische Verteidigungsminister einen lange vorbereiteten Kaufvertrag Ăźber 36 F-15-Kampfjets. Katar zahlt dafĂźr zwĂślf Milliarden US-Dollar.cite-ref-69[69]
Die Krise endete im Januar 2021; die diplomatischen Beziehungen wurden wiederhergestellt.cite-ref-70[70]
Siehe auch
:
Liste der Emire von Katar
Politik
Politisches System
Am 29. April 2003 stimmten die Bßrger Katars der ersten Verfassung seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten KÜnigreich mit einer Mehrheit von 98,39 % zu; diese trat 2005 in Kraft.cite-ref-71[71]cite-ref-72[72]
Katar ist ein Emirat (Erbmonarchie).cite-ref-73[73] Die Erbfolge ist verfassungsrechtlich patrilinear ausgestaltet und begrenzt auf die männlichen Nachkommen der wahhabitischen GroĂfamilie Al Thani (Art. 8 der Verfassung).cite-ref-74[74]
Staatsreligion ist der sunnitische Islam und laut Artikel 1 ist die Scharia die Hauptquelle der Gesetzgebung.cite-ref-hamzeh-75-0[75] Der Emir von Katar ist zugleich Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der exekutiven und legislativen Gewalt; auch die Regierung ist ihm allein verantwortlich. Als Quelle der Staatsgewalt legt die Verfassung in Art. 59 zwar das Volk fest, ein Parlament oder politische Parteien existieren aber nicht. Die Beratende Versammlung (Madschlis asch-Schura) hat vor allem die Funktion, den Staatshaushalt zu billigen. Von den 45 Mitgliedern werden 15 durch den Emir ernannt. Laut Verfassung sollen weitere 30 Mitglieder vom Volke gewählt werden. Die Wahlen wurden mehrmals verschoben und fanden erstmals im Oktober 2021 statt.cite-ref-76[76] Die Wahlbeteiligung lag bei 44 %.cite-ref-77[77]
Das Land gliedert sich in fĂźnf Regionen. FĂźnf Gerichte urteilen âim Namen des Emirsâ, daneben gibt es Gerichte fĂźr religiĂśse Fragen.
Bßrger Katars, Frauen wie Männer, wählen aus ihrer Mitte unter anderem auf kommunaler Ebene Gemeinderäte und Organe der Industrie- und Handelskammern.cite-ref-aa-78-0[78] 1998 erhielten Frauen durch das Dekret Nummer 17 das aktive und passive Frauenwahlrecht auf kommunaler Ebene.cite-ref-ipu-713576-79-0[79] Frauen ßbten bei der Wahl vom 8. März 1999 ihr Stimmrecht erstmals aus (Wahlen zum Doha Municipal Council).cite-ref-martin314-80-0[80] Fßr die Wahl vom 8. März 1999 zum Stadtrat von Doha gab es zwar sechs Kandidatinnen, aber keine erlangte einen Sitz.cite-ref-martin315-81-0[81] 2003 wurde Sheikha bint Yousef Hassan al-Jufairi die erste Frau, die in einem Golfstaat gewählt wurde, und zwar zu einem Mitglied des Stadtrats. Eine andere Quelle gibt jedoch an, bis zu den fßnften derartigen Wahlen 2015 seien Frauen dort nicht vertreten gewesen, 2015 seien dann zwei Frauen gewählt worden.cite-ref-afp-2015-05-14-82-0[82]
Das Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene zur Beratenden Versammlung wurde 2003 eingefßhrt.cite-ref-ipu-713576-79-1[79] Bei den ersten Wahlen im Oktober 2021 kandidierten zwar auch Frauen, von denen jedoch keine gewählt wurde.cite-ref-83[83]
Die Grßndung der Education City und die Fortentwicklung der Qatar University in Kooperation mit verschiedenen internationalen Universitäten werden von Beobachtern teils als aussichtsreicher Weg gesehen.
Nach seiner Abdankung am 25. Juni 2013 Ăźbertrug Scheich Hamad bin Chalifa die Amtsgeschäfte an seinen Sohn Tamim bin Hamad. Hamad bin Chalifa wurde damit der erste Regent eines arabischen Landes in der Golfregion, der die Macht freiwillig, ohne BlutvergieĂen âund bei klarem Bewusstseinâ abgab.cite-ref-84[84]
Verwaltungsgliederung
Die Verwaltungsgliederung Katars besteht seit 2014 aus acht Gemeinden (arab. baladiyya):
| Lage | Gemeinde | Verwaltungs- sitz | BevÜlkerung Stand: 2015 [ 85 ] | Fläche in km² | Einwohner pro km² |
|---|---|---|---|---|---|
| | Doha | Doha | 956.457 | 234 ,0 | 4.087 ,0 |
| | ar-Rayyan | ar-Rayyan | 605.712 | 2.450 ,0 | 247 ,0 |
| | al-Wakra | al-Wakra | 299.037 | 2.578 ,0 | 116 ,0 |
| | al-Chaur | al-Chaur | 202.031 | 1.613,3 | 125 ,0 |
| | asch-Schahaniyya | asch-Schahaniyya | 187.571 | 3.309 ,0 | 57 ,0 |
| | Umm Salal | Umm Salal | 90.835 | 318 ,0 | 286 ,0 |
| | ad-DaĘżayan | | 43.176 | 236 ,0 | 183 ,0 |
| | asch-Schamal | MadÄŤnat asch-SchamÄl | 7.975 | 902 ,0 | 8,8 |
Die Gemeinden werden fĂźr statistische Zwecke weiter untergliedert in 98 Zonen (Stand 2015)cite-ref-2015census-86-0[86] und diese weiter in BlĂścke.cite-ref-87[87] Doha und ar-Rayyan sind die grĂśĂten Gemeinden in Katar. Der Gebietsanspruch um die im Westen gelegenen Hawar-Inseln war lange Zeit zwischen Katar und Bahrain umstritten. Am 16. März 2001 erfolgte ein Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, demzufolge diese Inseln Bahrain zugesprochen wurden.cite-ref-88[88]
Politische Indizes
| Name des Index | Indexwert | Weltweiter Rang | Interpretationshilfe | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Fragile States Index | 39,8 von 120 | 149 von 179 | Stabilität des Landes: sehr stabil 0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land | 2024 [ 89 ] |
| Demokratieindex | 3,17 von 10 | 117 von 167 | Autoritäres Regime 0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie | 2024 [ 90 ] |
| Freedom in the World Index | 25 von 100 | â | Freiheitsstatus: unfrei 0 = unfrei / 100 = frei | 2024 [ 91 ] |
| Rangliste der Pressefreiheit | 58,3 von 100 | 79 von 180 | Erkennbare Probleme fĂźr die Pressefreiheit 100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage | 2025 [ 92 ] |
| Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) | 59 von 100 | 38 von 181 | 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber | 2024 [ 93 ] |
AuĂenpolitik
Das Emirat Katar ist Mitglied der Vereinten Nationen (seit 21. September 1971),cite-ref-94[94] der Arabischen Liga, der IOZ, der OAPEC, der WTO und des Golf-Kooperationsrats. Das Land war bis 2019 auch Teil der OPEC.
Die zunehmend einflussreiche Rolle, die das Emirat mit seiner ehrgeizigen AuĂenpolitik unter den arabischen Staaten im Mittelmeerraum einnehmen will, wirft bei den Beobachtern Fragen Ăźber Ziele und Wege dieser Einflussnahme auf, vor allem im Hinblick auf die Entwicklung Libyens und Syriens sowie Ăźberhaupt des Islamismus.cite-ref-95[95] Vor allem tunesische Analytiker kritisieren den zunehmenden Einfluss Katars auf die tunesische Politik.cite-ref-96[96] Katar ist ein Land, das weltweit als Finanzier von Salafisten und Extremisten Sorgen macht.cite-ref-97[97]
Millionen von Dollar sollen von katarischen Privatpersonen an radikalislamische Terrorgruppen wie den Islamischen Staat, Al-Qaida und die Hisbollah geflossen sein. Die Vereinigten Staaten haben klargestellt, sie haben keine Beweise dafßr, dass die Regierung von Katar den Islamischen Staat selbst finanziert, aber sie glauben, dass Privatpersonen in Katar helfen, diese und ähnliche Gruppen zu finanzieren und dass der Golfstaat nicht genug tue, um dies zu stoppen.cite-ref-98[98]cite-ref-99[99] Katar wurde auch oft international vorgeworfen, Terrorgruppen wie die Hamascite-ref-100[100] und HTScite-ref-101[101] direkt unterstßtzt zu haben.
Die Taliban aus Afghanistan bekundeten am 3. Januar 2012 die Absicht, in Katar ein BĂźro einzurichten.cite-ref-102[102] Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete im Oktober 2012, dass sowohl die islamistische Hamas als auch die Taliban eigene diplomatische Vertretungen in Katar haben und das Land selbst ein diplomatisches VertretungsbĂźro in Gaza unterhält.cite-ref-spiegel-katar-103-0[103] In diesem Jahr stieg Katar an die Spitze der finanziellen UnterstĂźtzer des Gazastreifens auf, noch vor den USA und der Europäischen Union. Mit einer halben Milliarde US-Dollar sollen die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut und eine ganze Stadt errichtet werden. Katar finanziert auĂerdem Rebellen in anderen Mittelmeerländern, etwa in Syrien und frĂźher in Libyen.cite-ref-spiegel-katar-103-1[103]
Katar ist das einzige Land, das im islamistisch beherrschten Norden Malis offiziell mit einer Nichtregierungsorganisation (NGO) permanent vertreten ist (Stand 2013). Im malischen Fernsehen sagte Mohammed Diko vom Hohen Islamischen Rat des Landes: âWir mĂźssen unser Verhältnis zu Katar vĂśllig Ăźberdenken.âcite-ref-104[104] AuĂerdem warfen die USA Katars Regierung vor, sie unterstĂźtze die Al-Shabaab-Milizen in Somalia finanziell.cite-ref-105[105] Da Katar vorgeworfen wird, die islamistische Muslimbruderschaft zu unterstĂźtzen, zogen Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain 2014 ihre Botschafter aus dem Land ab.cite-ref-106[106] Katars UnterstĂźtzung extremistischer salafistischer Gruppen in anderen Staaten fĂźhrte zu massiven Ăśffentlichen Protesten in Ăgyptencite-ref-107[107] und Libyencite-ref-108[108], bei denen auch katarische Flaggen verbrannt wurden. Im September 2019 wurde ein Finanzierungsprogramm des Staates Katar bekannt, das auf die Stärkung der Einflussnahme des politischen Islams in ganz Europa mit der Finanzierung von 140 Moscheebauten, Kulturzentren und Schulen, die alle mit der Muslimbruderschaft zusammenhängen, abzielt. Nach Recherchen der ARD reichen die Verbindungen der Muslimbruderschaft bis in die Spitze des Staates Katar und die Herrscherfamilie Al-Thani hinein.cite-ref-109[109]
Dem Lande wird in Deutschland auch vorgeworfen, einer der wichtigsten Finanziers der Terrormiliz Islamischer Staat zu sein. Deutschlands damaliger Entwicklungsminister Gerd MĂźller (CSU) nannte im Juni 2017 in einem Interview im Zusammenhang mit der IS-Finanzierung das âStichwort Katarâ; in einem darauffolgenden Interview distanzierte sich Angela Merkel indirekt von diesem Vorwurf. Der CDU-Vizevorsitzende Thomas Strobl stellte indirekt die Eignung Katars als GroĂinvestor in Deutschland (Volkswagen, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Siemens)cite-ref-110[110] infrage. Katars Distanzierung von diesem Vorwurf wird allgemein fĂźr unglaubwĂźrdig gehalten. Die grĂźne Bundestagsabgeordnete Katja Keul äuĂerte, Katar fĂśrdere in Ăgypten, Mali, Syrien, Irak und Libyen islamistische und terroristische Organisationen. Katar weigere sich insbesondere, die Beteiligung eigener StaatsangehĂśriger an Kämpfen im Ausland sowie den Aufruf zur Teilnahme an solchen Kämpfen unter Strafe zu stellen und damit der UNO-Resolution 2170 nachzukommen. Anders als in Saudi-Arabien sei die Werbung fĂźr IS, die Rekrutierung von Kämpfern und die UnterstĂźtzung durch Spenden fĂźr Katarer bis heute ohne jede Konsequenz mĂśglich. Ralf Stegner (SPD) nannte 2014 Katars Einfluss auf die Konflikte in der Region ânicht eben krisenentschärfendâ.cite-ref-111[111]
Katar hat auch seit 2013 ein Taliban-BĂźro in Doha, offenbar auf Wunsch der US-Regierung, um die politische AussĂśhnung zwischen den Taliban und den USA zu erleichtern. Nach dem Zusammenbruch der Islamischen Republik Afghanistan am 17. August 2021 flog die Luftwaffe von Katar den Vizechef der Taliban und Leiter des politischen BĂźros, Mullah Abdul Ghani Baradar, zurĂźck nach Afghanistan. In Deutschland wurden danach wieder Rufe nach einem Boykott der Weltmeisterschaft 2022 laut.cite-ref-112[112]
Die in Katar ansässige Al Jazeera gilt als Instrument der Soft Power. Der Sender sympathisierte oft mit Organisationen wie der Muslimbruderschaft, mit der der Staat Katar verbßndet ist.cite-ref-113[113]
Die TĂźrkei gilt als einer der wichtigsten VerbĂźndeten Katars, mit Verbindungen, die bis ins Osmanische Reich zurĂźckreichen.cite-ref-114[114] Ein weiterer wichtiger VerbĂźndeter sind die Vereinigten Staaten und 2022 wurde Katar in die Gruppe der Major non-NATO ally aufgenommen.cite-ref-115[115] Nach Angaben des Verteidigungsministers des Landes strebt Katar eine Vollmitgliedschaft in der NATO an.cite-ref-116[116] Deutschland hat in der Ăra von Angela Merkel auch starke wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu dem kleinen Golfstaat aufgebaut, trotz des Widerstands der GrĂźnen.cite-ref-117[117]
Siehe auch
:
Militärintervention im Jemen seit 2015
Menschenrechte
â
Hauptartikel
:
Menschenrechte in Katar
Katar ist seit 1971 Mitglied der Vereinten Nationen und ist im Jahr 2018 sowohl dem Internationalen Pakt ßber wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UN-Sozialpakt)cite-ref-118[118] als auch dem Internationalen Pakt ßber bßrgerliche und politische Rechte (UN-Zivilpakt)cite-ref-119[119] beigetreten. Hinsichtlich der Gleichberechtigung von Mann und Frau in Art. 3 des UN-Sozialpakts sowie hinsichtlich der eherechtlichen Bestimmungen in Art. 23 Abs. 4 des UN-Zivilpakts hat Katar jedoch Vorbehalte erklärt, soweit die Bestimmungen nicht mit der Scharia und der patrilinearen Erbfolge in Art. 8 der katarischen Verfassung vereinbar sind.
Katar hat sich in den Jahren 2010, 2014 und 2019 dem Universellen StaatenĂźberprĂźfungsverfahren (UPR) des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen unterworfen.cite-ref-120[120]cite-ref-121[121]cite-ref-122[122]
Deutschland hat zwar die angestoĂene Ăberarbeitung der Arbeitsgesetze gewĂźrdigt, aber auch empfohlen, aktiv gegen die Diskriminierung von Frauen vorzugehen, Vorbehalte zur Frauenrechtskonvention zurĂźckzunehmen, die Meinungs- und Medienfreiheit zu achten und fundamentale internationale Menschenrechtsverträge wie den UN-Sozialpakt und den UN-Zivilpakt zu ratifizieren.cite-ref-123[123]cite-ref-124[124]
Umweltschutz
Weltbank-Statistiken bezeichnen Katar als das Land mit dem weltweit bei weitem hĂśchsten CO2-AusstoĂ pro Kopf der BevĂślkerung.cite-ref-worldbank-katar-co2-125-0[125] Jeder Einwohner Katars verursachte 2011 pro Jahr durchschnittlich 31 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) (zum Vergleich: USA durchschnittlich 17,3 Tonnen, China durchschnittlich 7,2 Tonnen und Deutschland durchschnittlich 9,9 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr; die Gesamtemission Katars entsprach etwa der von Berlin und Hamburg zusammen bei etwa halb so viel Einwohnern).cite-ref-weltonline-co2-katar-126-0[126] Das Emirat von Katar verfĂźgt Ăźber reiche Vorkommen an Erdgas und ErdĂśl, dessen Verbrennung fĂźr die Globale Erwärmung mitverantwortlich ist. In Doha fand die UN-Klimakonferenz 2012 statt.cite-ref-dw-doha2012-127-0[127] Die UN-Klimakonferenz 2012 im Land mit dem weltweit hĂśchsten CO2-AusstoĂ pro Kopf illustriere augenscheinlich das erneutecite-ref-welt-durban-kritiker-128-0[128]cite-ref-welt-durban-ende-129-0[129] Scheitern der weltweiten Klimaschutz-Politik laut des âEmissions Gap Report 2012â des UNO-Umweltschutzprogramms UNEP.cite-ref-unep-emissionsgapreport2012-130-0[130]
Militär
â
Hauptartikel
:
Streitkräfte Katars
Die Streitkräfte Katars (arabisch اŮŮŮات اŮŮ
ŘłŮŘŘŠ اŮŮءعŮŘŠ) bestehen aus Heer (12.000 Mann), Luftwaffe (2.000 Mann), Marine (2.500 Mann) und Paramilitär und Gendarmerie (5.000) (Stand: 2024).cite-ref-1-131-0[131] Als Reaktion auf zunehmende Spannungen mit den Nachbarländern und die Katar-Krise wurden die Streitkräfte in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.cite-ref-132[132]
Nach Schätzungen der CIA gab das Land 2020 etwa 4,0 % seiner Wirtschaftsleistung fßr die Streitkräfte aus. Das entspricht einer Steigerung von knapp 30 % gegenßber 2016, als der Anteil noch 3,1 % betrug.cite-ref-1-131-1[131] Insgesamt betrugen die Verteidigungsausgaben 2021 rund 6,0 Mrd. US-Dollar.cite-ref-133[133]
Katar belegt mit 4,0 % laut CIA weltweit den 18. Platz beim Anteil der Militärausgaben an der Wirtschaftsleistung. Trotzdem sind die Aufwendungen im regionalen Vergleich eher unterdurchschnittlich. Mit Ausnahme des Irans (ca. 2,1 %) geben sämtliche Nachbarstaaten mehr fßr ihr Militär aus. So wendet zum Beispiel Saudi-Arabien etwa 7,8 % seiner Wirtschaftsleistung fßr die Armee auf.cite-ref-134[134] Gleichzeitig ist die katarische Wirtschaftsleistung erheblich niedriger als die des Irans, der Vereinigten Arabischen Emirate oder Saudi-Arabiens, so dass seine Militärausgaben auch im absoluten Vergleich zu diesen Ländern eher gering sind.cite-ref-135[135]cite-ref-136[136]
Katar importierte in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Waffensysteme. Von 2016 bis 2020 war das Importvolumen fast fĂźnfmal so hoch wie von 2011 bis 2014.cite-ref-137[137] Damit war das Land zwischen 2016 und 2020 fĂźr rund 4 % der weltweiten Waffenimporte verantwortlich und stand im globalen Vergleich auf Rang 8.cite-ref-138[138] Unter anderem importierte das Land bzw. importiert noch Kampfjets aus den USAcite-ref-139[139], GroĂbritanniencite-ref-140[140]cite-ref-141[141] und Frankreichcite-ref-142[142], mehrere hundert gepanzerte Fahrzeuge aus der TĂźrkei, ballistische Kurzstreckenraketen aus Chinacite-ref-143[143] und Leopard-2-Panzer aus Deutschland.cite-ref-144[144]cite-ref-145[145]
Die Streitkräfte Katars beteiligten sich bis zur Katar-Krise 2017 an der Militärintervention im Jemen seit 2015 mit ca. 1.000 Soldaten und 10 Jagdflugzeugen.cite-ref-146[146]
SĂźdwestlich von Doha befindet sich die Al Udeid Air Base, die grĂśĂte US-Militärbasis im Nahen Osten mit rund 11.000 Soldaten.cite-ref-147[147] GroĂbritannien hat vier C-130 der Royal Air Force in Katar stationiert. Die USA betreiben daneben in Katar ein gemeinsames HBCT-AusrĂźstungslager (APS) der Army, der Air Force, der Navy und der Marines.cite-ref-148[148] Die Basis ist auĂerdem Forward Headquarters, dient also im Krisenfall als vorgelagertes Hauptquartier fĂźr das United States Central Command.
Auch die Tßrkei unterhält seit 2016 eine Militärbasis in dem Land, die Kapazität fßr bis zu 3.000 Soldaten bietet.cite-ref-149[149] Der tßrkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gab im November 2019 bekannt, dass der Bau einer neuen tßrkischen Militärbasis in Katar abgeschlossen sei.cite-ref-150[150]
Wirtschaft
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zählt Katar zu den Ländern mit sehr hoher menschlicher Entwicklung.cite-ref-hdi-4-1[4] Seit seiner Grßndung im Jahr 1981 ist Katar Mitglied im Golf-Kooperationsrat.
Die wichtigsten Einnahmequellen sind Erdgas (Katar besitzt rund 13 % der weltweit verfßgbaren Gasvorkommen; 2016 lieferte es ein Drittel der gesamten Flßssiggasmenge weltweitcite-ref-151[151]), ErdÜl, petrochemische Produkte (z. B. Dßngemittel) und die bezahlte Bereitstellung von Truppenlagerplätzen und Ruhezonen fßr die US-Armee. 0,2 % des Bruttoinlandsproduktes wurden 2004 in der Landwirtschaft, 62,2 % in der Industrie und 37,6 % im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. 2001 waren 2 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 60 % im Dienstleistungssektor beschäftigt. Die Inflation betrug in den Jahren 2011 bis 2015 durchschnittlich etwa 2,5 %.cite-ref-152[152] Katar gilt (Stand 2019) gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als das viertreichste Land der Welt.cite-ref-f100-153-0[153] Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International lag Katar 2022 von 180 Ländern auf dem 40. Platz mit 58 von maximal 100 Punkten.cite-ref-154[154]
Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2022 bei 0,1 % und war damit eine der niedrigsten weltweitcite-ref-155[155]. Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird fßr 2017 auf 1,9 Millionen geschätzt. 14,1 % der Arbeitskräfte sind Frauencite-ref-156[156] (bei einem Frauenanteil von 24 % in der BevÜlkerung und von 19 % im Alter zwischen 20 und 65).cite-ref-157[157]
Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Katar Platz 29 von 141 Ländern (Stand 2019).cite-ref-158[158] Der Index fßr wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 28 hÜchste von 176 Ländern.cite-ref-159[159]
| Jahr | 2010 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BIP in Mrd. USD (Kaufkraftparität) | 164,5 | 242,5 | 252,3 | 252,9 | 284,0 | 283,7 | 229,5 | 292,7 | 326,6 | 343,9 | 360,8 |
| BIP pro Kopf in USD (Kaufkraftparität) | 95.908 | 99.464 | 96.376 | 92.839 | 102.880 | 101.337 | 81.003 | 106.491 | 111.379 | 112.271 | 116.616 |
| BIP-Wachstum (real) | 17,7 % | 4,8 % | 3,1 % | â1,5 % | 1,2 % | 0,7 % | â3,6 % | 1,6 % | 4,2 % | 1,5 % | 2,4 % |
| Inflation (in Prozent) | â2,4 % | 0,9 % | 2,7 % | 0,6 % | 0,1 % | â0,9 % | â2,5 % | 2,3 % | 5,0 % | 3,1 % | 1,2 % |
| Staatsverschuldung (in Prozent des BIP) | 30 % | 36 % | 47 % | 52 % | 52 % | 62 % | 73 % | 58 % | 43 % | 44 % | 41 % |
Qatar Investment Authority
Katar ist bestrebt, die Einnahmen aus dem Ăl- und Gasgeschäft diversifiziert in internationalen Beteiligungen anzulegen. HierfĂźr wurde 2005 der Staatsfonds mit der Bezeichnung Qatar Investment Authority (QIA)cite-ref-5-160-0[160] gegrĂźndet, dessen Kapitalstock mehrere hundert Milliarden US-Dollar umfasst (Stand Februar 2025: 526 Mrd. US-Dollar).cite-ref-5-160-1[160] Das Volumen des Fonds Ăźbersteigt damit bereits die eigentliche Wirtschaftsleistung Katars.
Anfang Juni 2009 wurden z. B. Gespräche gefĂźhrt, die zu einer Kapitalbeteiligung des Fonds an der Porsche AG gefĂźhrt haben. Anfang Dezember 2010 wurde bekannt, dass sich die QIA um eine Beteiligung an der Hochtief AG bemĂźht, was der drohenden Ăbernahme durch den spanischen Baukonzern Grupo ACS entgegenwirken wĂźrde. Solche Beteiligungen sind sehr erwĂźnscht, weil diese Fonds in der Regel nicht beabsichtigen, auf die operative Geschäftstätigkeit einzuwirken, sondern lediglich eine langfristige Kapitalanlage suchen. Ein Beispiel fĂźr eine solche Kapitalanlage ist eine fĂźnfprozentige Beteiligung der QIA am franzĂśsischen Umweltdienstleister Veolia Environnement.cite-ref-161[161] Die Beteiligung wurde im April 2010 gekauft.cite-ref-162[162]
Die zur QIA gehĂśrende Qatar Holding hielt von Mitte 2009 bis Juni 2013 10 % der Stammaktien der Porsche Automobil Holding.
Am 8./9. Juni 2011 vereinbarte Katar mit Luxemburg eine strategische Partnerschaft, die sich als erstes auf die Sektoren Luftfahrt (Cargolux), Satellitendienstleistungen (SES Astra) und Banken richten sollte.cite-ref-163[163] Im Zuge der Umsetzung dieser Vereinbarung kaufte die Precision Capital S. A.,cite-ref-164[164] in deren Verwaltungsrat Mitglieder der katarischen Herrscherfamilie sitzen, von der belgischen KBC Bankengruppe die Luxemburger Privatbankfiliale KBL European Private Bankers fĂźr 1,05 Milliarden Euro.cite-ref-165[165] Dieselbe Finanzgruppe Ăźbernahm die Luxemburger Dexia-Tochter Dexia-BIL, die zum Zeitpunkt der Transaktion mit 730 Millionen Euro bewertet wurde, wobei sich der Luxemburger Staat in HĂśhe von 10 % am Kapital beteiligte.cite-ref-166[166]
2016 erwarb die QIA einen Anteil an Rosneft.cite-ref-167[167] Im September 2017 betrug der Anteil noch 4,7 %, nachdem QIA zusammen mit Glencore einen Anteil von 14,2 % an die CEFC China Energy Company Ltd. verkauft hatten.cite-ref-168[168] Die Beteiligung an Hapag-Lloyd wird im August 2017 mit 14,4 % angegeben.cite-ref-169[169]cite-ref-170[170] An der Credit Suisse hält die QIA mit Stand 2019 5,21 %.cite-ref-171[171] Im Oktober 2022 wurde bekannt, dass die QIA Ăźber eine Pflichtwandelanleihe ihrer hundertprozentigen Tochterfirma Qatar Holding in HĂśhe von 2,43 Milliarden Euro an die RWE AG mit Ăźber 9 % Anteilen zu deren grĂśĂtem Einzelaktionär aufsteigt.cite-ref-172[172]
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft kann trotz ehrgeiziger Regierungsprojekte die Inlandsnachfrage nur zu einem geringen Prozentsatz decken. Nur 0,3 % des Staatsgebiets sind als Ackerland ausgewiesen, das zudem kßnstlich bewässert werden muss. Hauptanbauprodukte sind Tomaten, Kßrbisse, Getreide, Datteln, Gemßse und Zitrusfrßchte. Die einst rein nomadische Viehwirtschaft wurde durch den Aufbau von Viehfarmen umstrukturiert. Der Fischfang wird weiter ausgebaut.
2011 wurden 90 % der in Katar verzehrten Nahrungsmittel eingefßhrt.cite-ref-gulf-times-2-august-2011-173-0[173] Das Qatar National Food Security Programme (QNFSP) unter Direktor Fahad al-Attaiyah soll die Versorgung sicherstellen. Mit einem Erlass des damaligen Thronfolgers und jetzigen Emirs Tamim bin Hamad Al Thani (Emiri Directive Nr. 45 von 2011) wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die fßr die Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung zuständig ist. Bis 2013 sollte ein Plan zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung erstellt werden, der zwischen 2013 und 2023 umgesetzt werden soll. Der Export von Nahrungsmitteln soll unterbunden werden.cite-ref-gulf-times-2-august-2011-173-1[173]
Perlen
Der Perlenhandel war seit der Dilmunkultur 3200 v. Chr., die auf Bahrain beheimatet war und Handelsbeziehungen bis nach Indien aufwies, die wichtigste Einnahmequelle Katars, bevor die Naturperlen durch billigere Zuchtperlen ersetzt wurden und viele Menschen dadurch ihre Existenzgrundlage verloren. Nach 1930 brach die Hochkonjunktur des Perlenhandels im Golf durch das Aufkommen japanischer Zuchtperlen weitgehend zusammen. Dies fĂźhrte zu einer schweren Wirtschaftskrise, die viele Katarer zur Auswanderung zwang.
Finanzmarkt
Qatar fĂźhrt eine WertpapierbĂśrse unter dem Namen Qatar Stock Exchange, welche von der QIA und der NYSE Euronext mitgegrĂźndet wurde.
Bodenschätze
Katar hat nach Russland und dem Iran mit einem Anteil von 15 % die weltweit drittgrĂśĂten konventionellen Erdgasreserven.cite-ref-174[174] Etwa 60 % des Bruttoinlandsprodukts werden heute noch mit den fossilen Naturschätzen Gas und ErdĂśl erwirtschaftet. Daneben verfĂźgt Katar Ăźber abbauwĂźrdige Kalkstein-, Kies-, Ton- und Gipsvorkommen.
ErdĂśl
Als 1938 erstmals Ăl am Jabal Dhukan gefunden wurde, bot sich Katar die Chance einer neuen Einnahmequelle, um die Verluste durch den zusammengebrochenen Perlenhandel auszugleichen. Bereits ein Jahr danach begann die kommerzielle FĂśrderung, aufgrund des Zweiten Weltkrieges verlieĂ jedoch erst 1949 katarisches Ăl das Land. In der Folge kam es zu einem Ălboom. 1961 trat Katar der OPEC bei. Katar wurde stark modernisiert und gleichsam aus dem Mittelalter direkt in die Neuzeit katapultiert, was mit einem gesellschaftlichen Umbruch einherging. Gastarbeiter kamen vor allem aus Pakistan, Sri Lanka, Nepal sowie von den Philippinen ins Land, bis heute insgesamt etwa 600.000 Menschen. Die BevĂślkerung wuchs dadurch gewaltig und mittlerweile Ăźbersteigt die Zahl der Ausländer im Land die der Einheimischen bei weitem. 1972 Ăźbernahm der Staat die Ălgesellschaften. Katar war somit das erste kleine ErdĂślfĂśrderland am Golf, das Ăźber hundert Prozent seiner Vorkommen selbst verfĂźgte. Steigende Ălpreise lieĂen auch Katar immer reicher werden und sorgten fĂźr ein sehr hohes Pro-Kopf-Einkommen. Die GesamtĂślreserven werden auf mehr als 25 Milliarden Barrel geschätzt.cite-ref-cia-175-0[175] Katar ist eines der Länder, die zusammen die sogenannte strategische Ellipse bilden.
Im November 2018 kĂźndigte Katar an, die OPEC zu verlassen.cite-ref-176[176]
Erdgas
Der grĂśĂte Reichtum Katars liegt im Erdgas. Unter dem Meeresgrund liegt das North Gas Field, das mit ca. 10,8 Billionen Kubikmeter-Reserven (10.800 kmÂł) das grĂśĂte Erdgasfeld der Erde ist. Katar besitzt nach Angaben von QatarPetrol ungefähr 25,5 Billionen Kubikmeter (25.500 kmÂł) Erdgas.
Katar hat sich in den letzten Jahren eine weltweit fĂźhrende Rolle in der Gasverarbeitung erarbeitet. Das Zentrum der Gasindustrie ist die im Norden gelegene Ras Laffan Industrial City. Dabei gibt es zwei Betriebe, die im Gasgeschäft vertreten sind. Durch die Inbetriebnahme einer Erdgas-VerflĂźssigungsanlage wird der wirtschaftliche Abtransport des FlĂźssigerdgases (LNG) ermĂśglicht. Die Hauptabnehmer sind die GCC-Staaten. Aufgrund steigender Nachfrage war das Emirat 2006 weltgrĂśĂter FlĂźssiggas-Exporteur. 2022 stand es nach den USA (41,4 Mio. t) und Australien (39,6 Mio. t) mit 38,5 Mio. t (20 % der weltweiten exportierten Menge) an dritter Stelle der FlĂźssiggasexporteure.cite-ref-177[177]
Industrie
Zu den Industriebetrieben zählen ein Stahlwerk, eine DĂźngemittelfabrik, eine petrochemische Anlage, eine GetreidemĂźhle und Meerwasserentsalzungsanlagen, deren wichtigste Standorte Mesaid und Ras Laffan sind. In Katar befindet sich eines der grĂśĂten Werke fĂźr Primäraluminium weltweit, das Qatalum, ein Joint Venture von Norsk Hydro und Qatar Petroleum. Die Jahresproduktionsmenge betrug im Oktober 2012 585.000 Tonnen. Katar plante 2012, eine eigene Solarzellenindustrie aufzubauen.cite-ref-178[178]
AuĂenhandel
Bei den Importen lagen 2015 die USA mit 3,1 Mrd. US-Dollar, gefolgt von China mit 2,9 Mrd. Dollar, den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 2,3 Mrd. US-Dollar, Deutschland mit 1,9 Mrd. US-Dollar und Japan mit 1,7 Mrd. US-Dollar vorne. Die grĂśĂten Abnehmerländer waren Japan, Korea und Indien. Während sich die Importe von 28,5 Mrd. US-Dollar 2015 auf 31,9 Mrd. US-Dollar 2016 erhĂśhten, sanken die Exporte auf Grund des niedrigen Ăl- und Gaspreises stark von 77,3 Mrd. US-Dollar 2015 auf 57,3 Mrd. US-Dollar 2016.cite-ref-179[179]
| | 2017 | 2017 | 2018 | 2018 | 2019 | 2019 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Mrd. USD | gg. Vj. | Mrd. USD | gg. Vj. | Mrd. USD | gg.Vj. |
| Einfuhr | 29,9 | â6,7 % | 31,7 | +6,0 % | 29,2 | â7,9 % |
| Ausfuhr | 67,5 | +17,8 % | 84,9 | +25,8 % | 72,9 | â14,1 % |
| Saldo | +37,6 | | +53,2 | | +43,8 | |
| Export (in Prozent) nach | Export (in Prozent) nach | Import (in Prozent) von | Import (in Prozent) von |
|---|---|---|---|
| China Volksrepublik Volksrepublik China | 19,7 | Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | 15,9 |
| Korea Sud SĂźdkorea | 12,6 | China Volksrepublik Volksrepublik China | 14,5 |
| Indien Indien | 12,0 | Italien Italien | 6,4 |
| Japan Japan | 8,0 | Indien Indien | 5,6 |
| Singapur Singapur | 7,2 | Deutschland Deutschland | 5,6 |
| Vereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate | 4,3 | Vereinigtes Konigreich Vereinigtes KĂśnigreich | 3,3 |
| Taiwan Taiwan | 3,5 | Japan Japan | 3,1 |
| sonstige Länder | 32,7 | sonstige Länder | 45,6 |
Staatshaushalt
Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 53,9 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 41,7 Mrd. US-Dollar gegenĂźber.
Die Staatsverschuldung betrug 2016 47,6 % des BIP.cite-ref-181[181]
2020 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:cite-ref-182[182]
⢠Gesundheit: 4,2 %
⢠Bildung: 3,2 %
⢠Militär: 4,0 % (2023)
Infrastruktur
Verkehr
StraĂe
Das gut ausgebaute asphaltierte StraĂennetz umfasst etwa 9800 Kilometer.cite-ref-0-9-2[9] Es bestehen StraĂenverbindungen mit Saudi-Arabien.
Schiffhäfen
Die bedeutendsten Häfen sind Ras Laffan, wo neben StĂźckgut und Containern im Wesentlichen Gas umgeschlagen wird, und Umm Saâid, wo Massengut und StĂźckgut sowie Ăl umgeschlagen werden. Der Hafen der Hauptstadt Doha wird hauptsächlich von Dhaus angelaufen, die auf den traditionellen Routen des Persischen Golfes, jedoch auch bis SĂźdindien verkehren. Eine neue kleine Hafenanlage in der Bucht von Doha ermĂśglicht auch hier den Umschlag von StĂźckgut und Containern. Die Häfen von al-Chaur (nĂśrdlich von Doha), al-Wakra (sĂźdlich von Doha) sowie Ar-Ruwais (an der NordkĂźste) sind im Wesentlichen Fischereihäfen mit geringem KĂźstenschifffahrtsverkehr.
Flughäfen
Der internationale Flughafen von Doha wird täglich von mehreren europäischen Hauptstädten aus angeflogen und beherbergt die Fluggesellschaft Qatar Airways. Der Tourismus ist volkswirtschaftlich bedeutungslos und wird von der TourismusbehÜrde Katar verwaltet.
Zurzeit entstehen mehrere spektakuläre Bauprojekte, zum Beispiel eine 400 Hektar groĂe kĂźnstliche Insel namens âThe Pearlâ. Diese kĂźnstliche Insel befindet sich 20 Kilometer nĂśrdlich des neuen internationalen Flughafens, des Hamad International Airport. Dieser im FrĂźhjahr 2014 erĂśffnete Flughafen ist fĂźr die Landung des Airbus A380 ausgelegt und dient u. a. dazu, die Funktion Dohas als Drehscheibe internationaler Fluglinien weiter auszubauen.
BrĂźcken
Zwei Brßckenbauwerke sollen die Abhängigkeit von Saudi-Arabien verringern. Die Freundschaftsbrßcke mit einer Länge von 45 Kilometern wird Katar mit Bahrain verbinden, das selbst mit einer Brßcke mit dem saudi-arabischen Festland verbunden ist. Die zweite Brßcke soll eine Verbindung zu den Vereinigten Arabischen Emiraten herstellen.
Siehe auch
:
Liste von FernstraĂen in Katar
Schiene
DB International, eine Tochter der Deutschen Bahn AG, wurde im Jahr 2009 von Qatar Railways beauftragt, ein schienengebundenes Transportsystems fĂźr GĂźter- und Personenverkehr auf der Halbinsel zu entwickeln. Vorgesehen ist eine Anbindung Katars an das Schienennetz von Saudi-Arabien im SĂźden und eine Schnellstrecken-Verbindung Ăźber die westlich geplante SeebrĂźcke nach Bahrain. In den dichter besiedelten Gebieten im Raum Doha soll es ErschlieĂungen in die Fläche geben. Das integrierte System besteht aus rund 350 Kilometer Fernstrecken â auch mit GĂźterverkehr â und weiteren rund 300 Kilometern S-Bahn-Strecken (Light Rail System), davon 85 Kilometer Metro-Strecken zum Teil in Tunneln im engeren Ballungsraum Doha.
Siehe auch
:
Doha Metro
Siehe auch
:
StraĂenbahn Doha
Im Dezember 2019 ging die âBlaue Linieâ der StraĂenbahn in Doha in Betrieb, die aber Ende 2021 nicht fuhr. Am 11. November 2021 ging die âGelbe Linieâ in Betrieb. Eine âGrĂźne Linieâ befindet sich im Bau. Die StraĂenbahn soll, wenn alle drei Linien fertiggestellt sind, 24 Haltestellen haben. Die Bahn verkehrt ohne Oberleitung.cite-ref-183[183]
Am 1. Januar 2022 nahm der erste, 5,5 km lange Abschnitt der Stadtbahn von Lusail den Betrieb auf, der auch an die Doha Metro anbindet. Im Endausbau soll dieses Netz 34 km lang werden und 32 Haltestellen â davon sieben unterirdisch â aufweisen. Die oberirdischen Streckenabschnitte kommen ohne Oberleitung aus.cite-ref-184[184]
Elektrizitäts- und Wasserversorgung
Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend
Strom und Wasser sind fßr katarische StaatsangehÜrige kostenlos. Fßr Industriekunden liegt der Strompreis bei 19 US-Dollar je MWh, fßr alle ßbrigen bei 22 US-Dollar je MWh. Die Preise liegen damit bei 1,9 bzw. 2,2 US-Cent je kWh (Stand: 2015)cite-ref-185[185]. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Elektrizität ist in Katar einer der hÜchsten der Welt. Allerdings ging der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch seit 2004 von 16.231 kWh auf 15.309 kWh im Jahr 2014 zurßck. International liegt Katar damit an fßnfter Stelle.cite-ref-186[186]
Das im Jahr 2000 gegrĂźndete staatliche Monopolunternehmen Qatar General Electricity & Water Corporation (KAHRAMAA) betreibt die Ăbertragungs- und Verteilnetze fĂźr Strom und Wasser. Die Produktion von Elektrizität und Wasser wurde im Zuge der Privatisierung 2002 an die Qatar Electricity & Water Company (QEWC) Ăźbertragen. Mit Stand 2014 beträgt der Anteil von QEWC an der gesamten Erzeugungskapazität in Katar bei Elektrizität 62 % und bei Wasser 79 %.cite-ref-187[187]
Vision 2030
Katar hat 2008 ein mittelfristiges Entwicklungsprogramm fßr eine leistungsfähige Infrastruktur unter dem Motto Qatar National Vision 2030 aufgelegt. Mit einem geschätzten Aufwand von 50 Milliarden US-Dollar soll der Wßstenstaat zu einem der modernsten der Welt entwickelt werden. Planerisch konkretisiert wurden bereits folgende Projekte:
Ende 2009 erhielt die Deutsche Bahn den Auftrag, in Katar ein 325 Kilometer umfassendes Schienenverkehrsnetz fĂźr den Personen- und GĂźterverkehr aufzubauen. Dazu gehĂśrt eine fĂźr 350 km/h HĂśchstgeschwindigkeit trassierte 180 Kilometer lange Schnellfahrstrecke, die den Flughafen Ăźber Doha mit dem Nachbarland Bahrain verbindet. Auch eine 100 Kilometer lange Verbindungsstrecke nach Saudi-Arabien, die eine HĂśchstgeschwindigkeit von 200 km/h erlaubt, und ein 300 Kilometer langes regionales Stadtbahnnetz, unter anderem mit vier Linien in Doha, die Doha Metro, sollen errichtet werden.cite-ref-db-20091122-188-0[188]
Kultur
SehenswĂźrdigkeiten
Das Museum fĂźr Islamische Kunst, erĂśffnet 2008, sowie das Arabische Museum fĂźr moderne Kunst, erĂśffnet 2010, befinden sich in der Hauptstadt Doha bzw. in deren Peripherie. Diese zwei Museen zeigen Teile der internationalen Kunstsammlungen des Herrscherhauses. Andere einzigartige SehenswĂźrdigkeiten sind The Pearl, Souq Waqif, National Museum of Qatar, Qatar National Library, Mall of Qatar, Villaggio Mall, Katara und Banana Island.cite-ref-189[189] Katar hat hohe Geldbeträge in Projekte und Touristenattraktionen investiert, die im Zusammenhang mit der FuĂball-Weltmeisterschaft gebaut wurden, darunter 45 Milliarden US-Dollar fĂźr Lusail.cite-ref-190[190]
Medien
Der Nachrichtensender Al Jazeera hat seinen Sitz in Katar. An englischsprachigen Zeitungen werden The Peninsula, die Gulf Times, Qatar Tribune und die Khaleej Times aus Dubai gelesen. Zunehmend sind auch sozialkritische Artikel zu lesen, die insbesondere die Lage der nicht-katarischen Arbeiter behandeln.
Ende 2005 wurde berichtet,cite-ref-191[191] dass die monopolistische Qatar Telecom (Qtel, 2013 umbenannt in Ooredoo) im eigenen Datennetz Audio- und Videokommunikationsdienste wie MSN Messenger, Yahoo Messenger oder Google Talk sperrt, was von einer Sprecherin des Unternehmens auch bestätigt wurde. Besonders brisant ist dieses Vorgehen, da etwa 80 % der Einwohner Katars Ausländer sind (Gastarbeiter etc.), fßr die diese Art der Kommunikation als einzige bezahlbare gilt. Dies scheint jedoch teilweise wieder gelockert bzw. aufgehoben worden sein, da man zumindest ßber die Onlineplattform Skype ohne Einschränkung telefonieren und chatten kann.
Einige Internetseiten unterliegen der Zensur. Beim Aufruf mancher Seiten wird der Nutzer auf eine Seite der Qatar Telecom weitergeleitet. Dort findet man den Hinweis: âThis Site has been blocked by Internet Qatar as the content contains materials which are prohibited in the State of Qatar.âcite-ref-192[192] (dt.: Die Seite wurde von Internet Qatar blockiert, da der Inhalt Material umfasst, das im Staat Katar verboten ist.) Dies erfolgt unter anderem beim Aufruf von Seiten mit pornographischen bzw. sexuellen Inhalten, allerdings beispielsweise auch bei dem Aufruf der Yahoo-Gruppen und ähnlicher Gemeinschaften.
Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen sieht in Katar erkennbare Probleme fĂźr die Pressefreiheit.cite-ref-rangpres-92-1[92] Laut ihres Berichts ist die Rede von massiver Zensur, insbesondere bei systemkritischen VerĂśffentlichungen. Das 1979 verabschiedete Presserecht ist nie reformiert worden und derart flexibel gestaltet, dass die Regierung jederzeit die Verbote erweitern kann. Den Journalisten in Katar fehlt jegliche Gewerkschaft oder Interessenvertretung zu ihrer UnterstĂźtzung bei Streitigkeiten mit der Regierung.
Im März 2014 wurde bekannt, dass der katarische Satellit Esâhail-2 eine Amateurfunk-Relaisstation auf eine geostationäre Position bringen soll, ein gemeinsames Projekt der katarischen Amateurfunkvereinigung QARS, der Qatar Satellite Company und der deutschen Amateurfunksatellitenvereinigung AMSAT-DL. Zwei Transponder sollen ermĂśglichen, dass Funkamateure von Brasilien Ăźber Europa bis nach Indien miteinander Funkverbindungen aufbauen kĂśnnen.cite-ref-193[193] Der Start ist fĂźr 2018[veraltet] geplant, als Position ist 25,5 Grad Ost vorgesehen. Der Uplink wird im Bereich 2,400 bis 2,450 GHz und der Downlink im Bereich 10,450 bis 10,500 GHz innerhalb der jeweiligen Amateurfunkzuweisungen liegen.
Mehrere Radio- und Fernsehstationen sind ßber das Internet gut zu empfangen, so z. B. Broadcast Qatar. Der staatliche Qatar Broadcasting Service (QBS) ßberträgt sein Inlandsprogramm sowohl auf UKW als auch auf Mittelwelle. Bei guten Ausbreitungsbedingungen ist der Mittelwellensender auf 675 kHz abends und nachts auch in Europa zu empfangen. Englischsprachige Empfangsberichte werden von der Station mit QSL-Karten bestätigt.
2020 nutzten 99,7 % der BevĂślkerung das Internet.cite-ref-194[194]
Sport
Traditionelle Sportarten in Katar sind das Kamelrennen und die Falkenjagd.cite-ref-195[195]cite-ref-196[196]
Seit 1963 wird die nationale FuĂballliga ausgespielt, die Qatar Stars League. Mit lukrativen Verträgen konnte man dafĂźr im Laufe der Zeit zahlreiche ausländische Stars verpflichten, die ihre Karriere finanziell einträglich in der spielerisch weniger fordernden Liga ausklingen lieĂen. Zu diesen Spielern gehĂśren unter anderem Mario Basler, Stefan Effenberg, Gabriel Batistuta, Marcel Desailly, Fernando Hierro, Hakan Yakin, Xavi und James RodrĂguez.
Vor allem seit Beginn der 1990er-Jahre richtet Katar aber auch eine Vielzahl an Turnieren und Weltmeisterschaften verschiedenster Sportarten aus. Den Anfang machte das ATP-Turnier der Herren im Tennis, das seit 1993 Anfang Januar in Doha stattfindet. Von 2001 bis 2008 und seit 2011 wird auĂerdem das WTA-Turnier der Damen ausgetragen; von 2008 bis 2010 gastierten zudem die WTA Tour Championships im Land. Im Tischtennis finden â mit drei Ausnahmen â seit 1994 alljährlich in Doha die Qatar Open statt, die inzwischen zur hĂśchsten Kategorie der ITTF World Tour gehĂśren. Zudem war Katar Ausrichter der Tischtennisweltmeisterschaft 2004. DarĂźber hinaus war Doha viermal Austragungsort der Squash-Weltmeisterschaft der Herren sowie einmal der Damen; mit dem Qatar Classic findet jährlich ein Turnier der PSA World Series in Doha statt.
Special Olympics Katar wurde 1994 gegrĂźndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.
2004 veranstaltete Katar auf dem Losail International Circuit bei Doha erstmals Läufe zur Motorrad-Weltmeisterschaft sowie zur Superbike-Weltmeisterschaft; 2008 wurde dort das erste Nachtrennen der Motorrad-WM ausgetragen. Später entstand fßr diese Wettbewerbe nÜrdlich von Doha das neue Motodrom. Im Radsport bildete die Katar-Rundfahrt von 2002 bis 2016 mit dem Auftaktrennen Doha International GP eine wichtige Station der Profis. Erik Zabel nutzte dieses Rennen gern fßr den Saisonbeginn, ebenso Tom Boonen und Alessandro Petacchi, zum Beispiel 2007.
2004 war mit dem Bau der Aspire Academy in Doha eine der weltweit grĂśĂten Trainings- und Wettkampfstätten fĂźr Spitzensportler entstanden. Dort fanden sechs Jahre später die Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften 2010 statt. Bereits 2005 hatte Katar die Westasienspiele ausgerichtet und auĂerdem die Weltmeisterschaften im Gewichtheben 2005 sowie im Jahr darauf die Asienspiele 2006.
Im Dezember 2010 erhielt Katar schlieĂlich die Erlaubnis, die FuĂball-Weltmeisterschaft 2022 auszurichten, das Ereignis mit dem grĂśĂten internationalen Interesse neben den Olympischen Spielen. Bereits im Folgejahr war man Gastgeber der FuĂball-Asienmeisterschaft 2011cite-ref-197[197], in den Jahren nach der Vergabe wurden aber auch Weltmeisterschaften anderer Sportarten ausgetragen. Im Schwimmsport veranstaltete man die Kurzbahnweltmeisterschaften 2014. Bei der Handball-Weltmeisterschaft der Männer 2015 war das Land nicht nur Gastgeber, sondern die heimische Mannschaft erreichte Ăźberraschend den zweiten Platz hinter Frankreich. MĂśglich war dies dank umfangreicher Investitionen vor allem in die Naturalisierung von erfahrenen Spielern aus anderen Ländern. Neben den Boxweltmeisterschaften 2015 und den UCI-StraĂen-Weltmeisterschaften 2016 richtete Katar mit den Turn-Weltmeisterschaften 2018 und den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 zwei ebenfalls bedeutende sportliche GroĂereignisse aus. Man erntete jedoch internationale Kritik wegen des Zuschauermangels bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften.cite-ref-198[198]
Katar war 2021 erstmals Gastgeber eines Rennens der Formel 1. Das 20. Rennen der Weltmeisterschaft 2021 wurde zunächst als Ersatz fĂźr den GroĂen Preis von Australien ausgetragen; die Formel 1 kĂźndigte gleichzeitig aber einen 10-Jahres-Vertrag an, wodurch das Land ab 2023 einen festen Platz mit jährlichen Rennen im Kalender einnimmt.cite-ref-199[199]
In Katar wurde vom 30. November bis zum 18. Dezember 2021 der FIFA-Arabien-Pokal 2021 ausgetragencite-ref-200[200], der als Generalprobe fĂźr die FuĂball-Weltmeisterschaft 2022 diente.
Siehe auch
Literatur
⢠Nicolas Fromm: Katar â Sand, Geld und Spiele. C.H. Beck, MĂźnchen 2022, ISBN 978-3-406-79011-9.
⢠Sebastian Sons: Katar. bpb-aktuell 39/2022. Volltext online.
Weblinks
Commons
: Katar
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Katar
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikivoyage: Katar
â ReisefĂźhrer
⢠Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Katar German Institute for Global and Area Studies.
⢠Auswärtiges Amt: Katar.
⢠Sherif Rohayem, Sven Klaiber, Niko Sievert: Ausländisches Wirtschaftsrecht: Recht kompakt Katar. Germany Trade and Invest.
⢠Statistisches Bundesamt: Katar: Statistisches Länderprofil.
⢠Internationale Arbeitsorganisation: Data. Country profiles. Qatar (englisch).
⢠Offizielle Website der Regierung (englisch).
Einzelnachweise
cite-note-11. Qatar In Figures 2015. (PDF) Ministry of Development Planning and Statistics, abgerufen am 9. Januar 2017 (englisch).
cite-note-psa-gov-qa-22. Monthly Figures on Total Population. Planning and Statistics Authority Qatar, abgerufen am 9. Januar 2022 (englisch).
cite-note-bip-imf-33. GDP, current prices Billions of U.S. dollars. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 25. November 2025 (englisch). ; GDP, current prices Purchasing power parity; billions of international dollars. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 25. November 2025 (englisch). GDP per capita, current prices. U.S. dollars per capita. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 25. November 2025 (englisch). ; GDP per capita, current prices - Purchasing power parity; international dollars per capita. In: IMF DataMapper. Internationaler Währungsfonds, 2025, abgerufen am 25. November 2025 (englisch).
cite-note-hdi-44. Table: Human Development Index and its components. In: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Human Development Report 2025. United Nations Development Programme, New York 2025, ISBN 978-92-1154263-9, S. 278 (englisch, undp.org [PDF]).
cite-note-55. â Oxford Business Group: The Report: Qatar 2016. Oxford Business Group, 2016, ISBN 978-1-910068-63-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
cite-note-3-66. â Katar BevĂślkerung 2025 | BevĂślkerungsuhr. Abgerufen am 26. Januar 2025.
cite-note-77. â Qatarâs Constitution â Legal Information. Abgerufen am 16. März 2022 (englisch).
cite-note-88. â Saudi-Arabien beendet offenbar Blockade von Katar. In: tagesschau.de. Archiviert vom Original am 7. Januar 2021; abgerufen am 4. Dezember 2021.
cite-note-0-99. â The World Factbook â Central Intelligence Agency. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂźgbar) am 24. Dezember 2018; abgerufen am 3. August 2017 (englisch).
cite-note-1010. â Klima in Katar. Abgerufen am 13. Juli 2022.
cite-note-1111. â BĂźndnis Entwicklung Hilft, Institut fĂźr Friedenssicherungsrecht und Humanitäres VĂślkerrecht Ruhr-Universität Bochum (Hrsg.): WeltRisikoBericht 2021. 2021, ISBN 978-3-946785-11-8, S. 44â45, 54â57 (weltrisikobericht.de).
cite-note-1313. â KATAR â Staat Katar. City Population, abgerufen am 9. Februar 2024.
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25.26944444444451.212777777778coordinatesKoordinaten: 25° N, 51° O